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31.03.2017

Im Dialog

CORPORATE RESPONSIBILITY      

Unternehmen zwischen Preiskampf und gesellschaftlicher Verantwortung – das war das Thema unseres siebten Wohnzimmergesprächs am 23. März 2017 in Bonn. Ansgar Lohmann, Bereichsleiter Corporate Social Responsibility vom Textildiscounter KiK, und Christoph Brunn, stellv. Bereichsleiter Umweltrecht und Governance des Öko-Instituts, diskutierten über die Möglichkeiten und Herausforderungen, CSR glaubhaft und erfolgreich im Unternehmen zu implementieren.

Das Geschäftsmodell ist der Preis

Am Anfang hieß es erst mal, noch mehr Stühle aufzustellen. Denn die Teilnehmer kamen zahlreich. Was würde Ansgar Lohmann von KiK zum Thema Corporate Responsibility berichten können? Schnell wich der ersten Neugier die pure Überraschung, als es hieß, ganze 20 Mitarbeiter bei KiK seien dem Bereich CSR zugeordnet. „Das Geschäftsmodell bei KiK ist der Preis, da muss man nicht drum herumreden“, so Lohmann. Dennoch arbeite man bei KiK an zahlreichen Projekten, um Arbeitsbedingungen und Lieferkettenmanagement in den Griff zu bekommen. Lohmann allein sei letztes Jahr insgesamt sechs Monate vor Ort in Asien gewesen.

Regulierung? Ja, gerne!

Gefragt danach, wie zufrieden man mit dem Nachhaltigkeitsmanagement von KiK sein könne, antwortete Christoph Brunn vom Öko-Institut, dass es nachvollziehbar sei, wenn sich ein Discounter in erster Linie am Preis orientiere. Gleichwohl betonte Brunn: „Es gibt Rechte, die unantastbar sind. Dazu gehören Menschen- und Umweltrechte.“ Und hier gäbe es sicher noch etwas zu tun. Sowohl Brunn wie auch Lohmann sahen hier allerdings alle Kräfte in der Pflicht und forderten mehr Druck durch die Politik. Das Textilbündnis von Entwicklungsminister Müller sei ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch die Arbeit im Bündnis zeitintensiv und sicherlich noch nicht vollständig ausgereift sei.

CSR im Unternehmen

Viele Teilnehmer des Wohnzimmergesprächs kamen selbst aus dem CSR-Bereich und fragten interessiert nach, wie man CSR-Richtlinien im Unternehmen, aber auch vor Ort bei der Produktion konkret umsetzen könne. Lohmann verwies auf das Glück, direkt an den CEO berichten zu können, gab aber zu, dass auch er in vielen Gesprächen im Unternehmen „mantraartig“ seine Botschaften wiederholen müsse, bis sie schließlich zur Realisierung kämen, da CSR am besten dort funktioniere, wo es fest in die Arbeitsweise aller Abteilungen integriert sei.

Was will der Kunde?

Doch woher kommt überhaupt die Motivation für einen Discounter wie KiK, sich mit CSR zu beschäftigen? Gemäß einer Kundenumfrage legt der preisorientierte Kunde von KiK doch wenig Priorität auf das Thema CSR, wie Lohmann zuvor erläutert hatte. Die Antwort liegt wohl irgendwo zwischen vergangenen Skandalen wie dem Einsturz der Textilfabrik in Sabhar, Bangladesh (2013), der immer wieder geäußerten Kritik an den Arbeitsbedingungen der asiatischen Fabriken, in denen KiK, aber auch alle anderen Textilhersteller produzieren lassen, der Erwartungshaltung der Shareholder und der zukünftigen strategischen Ausrichtung des Textilkonzerns. 

Der Blick in die Zukunft

Mehrfach wurde von den Teilnehmern die Kombination aus Discountsystem und Nachhaltigkeit kritisch hinterfragt. Liegt der Fehler nicht im Discountsystem selbst? Doch erste ermutigende Schritte werden genannt: C&A beispielsweise bietet Mode zu Discounterpreisen und gilt seit Jahren als größter Abnehmer für Biobaumwolle in Deutschland. Und im Lebensmitteleinzelhandel haben die Discounter Penny, Netto, Aldi und Lidl längst ihr Sortiment erfolgreich um Bio-Produkte ergänzt. Auch Lohmann machte deutlich, dass im Hause KiK Entwicklung stattfindet. Wir dürfen gespannt sein, was sich da noch tut.

Stefanie Fulda