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05.12.2018

Im Dialog

NEW WORK – Unternehmen im Umbruch

Im gut besuchten Wohnzimmer sprachen Hermann Arnold, Mitgründer und Verwaltungsratspräsident von Haufe-umantis in St. Gallen und Prof. Dr. Hilmar Schneider, Vorsitzender der Geschäftsführung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn am 22. November 2018 über ihre Einschätzungen zum Thema „New Work“.

 

DIE ZEICHEN STEHEN AN DER WAND

Hermann Arnold war sich sicher: „Die Zeichen stehen an der Wand, wir wissen nur noch nicht, wie sie zu lesen sind“ und meinte damit, dass die Zeit längst reif sei für neue Konzepte der Arbeit. Bei Haufe selbst arbeite man durchaus experimentell, aber mit voller Überzeugung, an demokratischen Entscheidungsprozessen, wie der Wahl von Führungskräften durch Mitarbeiter oder an spiralförmigen, agilen Karrierewegen, die die temporäre Übernahme von Verantwortung ermöglichen. Arnold selbst trat 2013 als CEO zurück und gliederte sich im Projektmanagement ein. Diese Phase sei für ihn lehrreicher gewesen als jedes Fortbildungsseminar, denn „wir müssen lernen, zu führen und zu folgen“, so Arnold. 

 

DIE MOTIVATION DER MITARBEITER

Hilmar Schneider vom IZA betrachtete das Phänomen New Work eher aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive und gab zu bedenken, dass man, wenn man Mitarbeiter entscheiden lässt, riskiere, dass sie ihre Chefs zu ihrem eigenen Wohl und nicht zum Wohl des Unternehmens auswählen. Aus demselben Grund bezweifle er den Nutzen von demokratischen Entscheidungsprozessen im Unternehmen, weil sie aus Unternehmenssicht nicht zu effizienten Ergebnissen führen. Modelle wie Job-Sharing gar, also die geteilte Verantwortung für eine Aufgabe, führen aus seiner Sicht zur „organisierten Verantwortungslosigkeit“, weil sich Mitarbeiter auf diese Weise ihrer persönlichen Verantwortung entziehen können.

 

VORSICHTIGES HERANTASTEN ODER RADIKALER NEUANSATZ?

In der Sache also entschieden gegensätzlicher Meinung, im Umgang aber aufgeschlossen und humorvoll, war das Referentengespann Arnold vs. Schreiber ein hochspannendes Duo für die Teilnehmer des Wohnzimmergesprächs. Arnold plädierte überzeugend dafür, Experimente zu wagen und dafür nur die besten und interessiertesten Mitarbeiter gleichsam auf ein Floß der Innovation zu setzen, das bei Erfolg zum großen Kreuzfahrtschiff werden könne und auf diesem Weg auch die Misserfolge nicht zu scheuen. Dagegen hielt Schneider die mahnende Vorsicht, dass Unternehmen auch bisher nicht auf einem völlig verkehrten Weg unterwegs gewesen seien und man sich bewusst sein müsse, welche Folgen dies – insbesondere durch eine Verschriftlichung neuer Mitarbeiterrechte – für Unternehmen haben könne.

 

EIN MENSCHENBILD NEUEN TYPS

Das Publikum brachte sich von Anfang an mit Fragen in diese spannende Diskussion ein. Ob denn der Unterschied in den Ansätzen wohl durch ein unterschiedliches Menschenbild geprägt sei, lautete eine der ersten Fragen. Brauche man für New Work-Ansätze im Unternehmen etwa ein positives, vertrauensvolles Menschenbild und sei die Skepsis gegenüber mehr Freiheit im Unternehmen vor allem durch ein vorsichtiges Menschenbild geprägt? Und was wohl wichtiger sei: die richtigen Maßnahmen für neue Arbeitsmodelle zu finden oder das „Warum“ zu definieren, also den Grund und die Vision, warum man zu neuen Modellen der Arbeit gelangen will? Wie überhaupt lässt sich der Prozess von innovativen New Work-Ansätzen in einem Unternehmen anstoßen und erfolgreich implementieren?

 

FLIEGEN WILL GELERNT SEIN

Am Ende der fast zweistündigen Wohnzimmerdiskussion blieben noch einige Fragen offen, die weitere zwei Stunden bei Buffet und Getränken untereinander und mit den Referenten diskutiert wurden. Am Ende ist schließlich jeder Teilnehmer mit zahlreichen Anregungen und Ideen nach Hause gegangen. Denn die eine abschließende Lösung für moderne, zeitgemäße Arbeitskonzepte scheint es wohl noch nicht zu geben. Wie Arnold es zwischenzeitlich formulierte: auch das Fliegen wollte lange Zeit nicht klappen. Es mussten viele Bruchlandungen in Kauf genommen werden bis die Menschheit das Fliegen lernte. Insofern sollte man allen neuen Ansätzen und Bedenken zu New Work ihren Raum geben und sie bei Bedarf mittels Experimenten ausprobieren.

Stefanie Fulda

 

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Unternehmen im Umbruch, ©Nutthaseth Van, shutterstock.com

Unternehmen im Umbruch, ©Nutthaseth Van, shutterstock.com