Mehr auch auf



05.05.2015

Expertenmeinung

Die Rolle der Printmedien im digitalen Zeitalter

Werden die Printmedien wirklich komplett durch die Digitalmedien verdrängt? Und wird damit die klassische DTP-Abteilung überflüssig, die in erster Linie für die Erstellung von Druckmedien und deren Aufbereitung verantwortlich ist? Für mich bedeutet der Medienwandel – den ich nicht nur beruflich miterlebe – vielmehr eine Chance und eine spannende Herausforderung für die Werbebranche und den Berufsstand des Mediengestalters. 

Seit etwa 13 Jahren arbeite ich in der Werbebranche. Als ich im August 2002 meine Ausbildung zum Mediengestalter, Fachrichtung Mediendesign, bei der intention Werbeagentur Bonn begonnen habe, gab es zahlreiche klassische Werbeagenturen, die Prospekte, Anzeigen etc. herstellten. Es wirkte so, als ob jeder, der nur ansatzweise mit einem Layout- oder Bildbearbeitungsprogramm umgehen konnte, sich dazu berufen fühlte, in der Medienbranche Fuß zu fassen. 

Ein wesentlicher Grund dafür war sicherlich, dass die Nachfrage für Druckmedien sehr hoch war. Dies spiegelte sich in dieser Zeit auch stark bei unseren Kunden wider, die fast ihre gesamte Werbung über Printerzeugnisse abwickelten. Von unseren Art Direktoren gestaltete Druckerzeugnisse wie Folder, Flyer, P.O.S.-Materialien oder Anzeigen wurden bei uns in der DTP-Abteilung täglich in großen Mengen reingezeichnet und die entsprechenden Druckdaten ausgeliefert.

Digitalmedien im Fokus: Wandel in Verteilung von Werbebudgets und Agenturaufgaben

Schon seit vielen Jahren macht sich eine Veränderung bemerkbar: Der Bedarf an klassischen Printmedien nimmt ab. Es wird deutlich, dass es am Markt einen Denkwandel gibt. Mehr und mehr sind es nun die digitalen Medien, mit denen Zielgruppen von Produkten und Leistungen überzeugt werden sollen. Das Werbebudget wird entsprechend anders verteilt, was sich auch bei den Aufgaben widerspiegelt. Statt beispielsweise Printkataloge, Imagebroschüren oder Anzeigen im Format ¼ Seite DIN A4 sind es nun vermehrt z. B. Markenkommunikation im Online-Bereich, Bannerwerbung, Programmierung von Online-Seiten oder innovative Strategien für den Social Media Bereich, die gefordert sind. 

Der Fokus liegt also deutlich stärker auf den digitalen Medien. Der Grund dafür leuchtet ein: Im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co. hat sich die Art der Kommunikation besonders in diesen Bereich verlagert. Jeder ist heute via Smartphone u. Ä. online erreichbar oder nutzt diese Geräte ganz selbstverständlich zur Information wie zur Kommunikation mit anderen. Aktuelle Nachrichten aus Wirtschaft und Politik lassen sich zeitnah im Internet finden, noch bevor diese in irgendeiner Weise den Weg in ein Druckerzeugnis wie eine Tageszeitung finden. Bücher lassen sich bequem auf den eBook-Reader laden. All dies führt zu einem starken Rückgang der Printmedien.

Die Zukunft der DTP

Wird damit die klassische DTP-Abteilung, die hauptsächlich für die Erstellung der Druckmedien und deren Aufbereitung verantwortlich ist, überflüssig? Die Antwort lautet für mich eindeutig: Nein! Zum einen, weil es immer Schlüssel-Printmedien wie Kataloge und Folder geben wird. Die Menschen lieben das Stöbern in Literatur, das haptische Erlebnis, das ein Printerzeugnis ihnen bietet, die hochwertige Aufmachung einer gelungenen Broschüre. Sicher nicht mehr in so verschwenderischer Fülle wie noch vor einigen Jahren, aber immerhin. 

Zum anderen bietet der Wandel am Markt eine Chance, stärker in die digitale Welt einzutauchen und das Kompetenzfeld der DTP auszuweiten. Nach wie vor geht es hier doch darum, kreative Ideen in konkrete und sauber gestaltete Kommunikation zu transferieren, Grafiken nachvollziehbar aufzubereiten und darzustellen. Genau das ist in digitalen Medien ebenso gefragt wie im Print – nur eben in anderer Form. Diese Herausforderung ist ausgesprochen spannend. Wir reagieren darauf, indem wir unser Know-how ausweiten. 

Arbeitsbeispiele aus der Agentur

Aktuelle Projekte in unserem Bereich sehen daher aufgrund des Wandels heute oft anders aus als vor ein paar Jahren. Beispielsweise sind dies technische Aufbereitungen von Internetseiten, digitale Kataloge oder aber digitale Verkaufs- und Präsentationsunterlagen. 

Ich möchte ein paar Beispiele anführen: Eine immer häufiger aufkommende Aufgabe ist die Erstellung von Powerpoint-Unterlagen, sei es als professionelle Präsentation für Außendienstler oder aber in Form von Schulungsunterlagen – beispielsweise für unseren Kunden Chep. Hier ist es unsere Aufgabe, in enger Zusammenarbeit mit der Art Direktion gute und spannende Präsentationen zu entwickeln. Dabei sorgen wir z. B. durch eine sorgfältige Realisation, starke Bilder und sauber gestaltete Grafiken dafür, dass die Inhalte überzeugend übermittelt werden können und dass die Präsentation informativ sowie unterhaltsam und für den Teilnehmer klar verständlich wird. 

Ein weiterer neuer Arbeitsbereich ist die Neuerstellung von Internetseiten wie etwa der Jack Wolfskin-Homepage. Die konzeptionelle und kreative Vorarbeit, die unsere Art Direktoren geleistet haben, dient uns als Grundlage für die technische Aufbereitung der Inhalte. Hier müssen wir, genau wie bei den Printmedien, unser handwerkliches Können anwenden. Wir erarbeiten uns einen Gesamtüberblick über das Projekt, um dann zu kontrollieren, ob z. B. die Bilddaten für verschiedene Ausgabemedien optimiert sind oder / und die responsiven Anforderungen erfüllt sind und ob die Schriftumsetzung im Browser korrekt ist. Genauso wichtig ist es, mithilfe einer projektspezifischen Prüfliste alle Punkte zu prüfen und gewissenhaft abzuarbeiten. Diese Arbeitsweise stellt eine hochwertige Qualität sicher und dient ebenfalls dem reibungslosen internen Projektablauf.

Fazit

Eine wichtige Voraussetzung für diese neuen Aufgaben ist die kontinuierliche Weiterbildung aller Mitarbeiter, damit wir die neuen Aufgaben ebenso professionell und konsequent erfolgreich erledigen können wie das bisherige „täglich Brot“ im Printbereich. Schulungen und Wissensmanagement sind daher Kernaufgaben in der Bereichsentwicklung. Darüber hinaus stellen wir uns bewusst der Herausforderung, Print-, Online- und mobile Inhalte von Anfang an miteinander zu vernetzen und eine neue Sichtweise auf unsere Aufgaben zu entwickeln.

Es ist also nicht das Ende eines Weges, von dem wir in Bezug auf unsere Aufgaben reden, sondern der Aufbruch in eine vielseitige, spannende und erfolgreiche Zukunft, auf die wir uns freuen können.

intention Werbeagentur Bonn
Antonio Salvati
0228 97734-17
antonio_salvati(at)intention.de
Leitung Mediendesign