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22.11.2017

Im Dialog

KONSUMTRENDS


Nachhaltigkeit und Qualität im Handel – Das war das Thema des 9. Wohnzimmergesprächs am 16. November 2017 in Bonn. Unsere Gastredner scheuten den weiten Weg nicht und kamen dieses Mal aus dem Norden und Süd-Osten der Republik: Sandra Coy, Sprecherin Unternehmensverantwortung und Qualität von Tchibo aus Hamburg, und Christian Schmidt, Account Director Consumer Goods der GfK Gesellschaft für Konsumforschung aus Nürnberg.


QUALITÄT SCHLÄGT PREIS

Christian Schmidt von der GfK rief die aktuellen Zahlen des GfK ConsumerScans von 30.000 Haushalten in Deutschland auf und machte deutlich: Verbraucher achten zunehmend mehr auf Qualität. Ebenso wächst die Bereitschaft der Konsumenten deutlich, sich beim Einkauf an Bio-, Fair Trade- oder Regional-Aspekten zu orientieren. Allerdings: Dieses Wachstumspotenzial zeigt sich bis jetzt nur in der Lebensmittel- und Kosmetikbranche. Und selbst bei kontinuierlichem Wachstum liegt der Marktanteil von beispielsweise Bio-Produkten immer noch bei nur rund fünf Prozent.

NACHHALTIGKEIT IST DIFFUS

Sandra Coy von Tchibo stellte Tchibos Weg zu einer 100 Prozent nachhaltigen Geschäftstätigkeit dar und verdeutlichte an mehreren Beispielen die damit einhergehenden Herausforderungen. Das Unternehmen strebe an, dieses Ziel bis 2025 zu erreichen. Gleichwohl habe man festgestellt, dass Kunden bei der persönlichen Bestimmung von Nachhaltigkeit schnell verunsichert seien. „Es wird mehr geahnt als gewusst “, so Coy. Und Nachhaltigkeit wird von Kunden nicht als Treiber für den Kauf von Tchibo-Produkten genannt. Man müsse feststellen: Obwohl inzwischen sehr viele für Nachhaltigkeit sensibilisiert seien, erlebe der Einzelne das Thema eher verunsichert, distanziert und fremdbestimmt.


NEUSTART IN DER KOMMUNIKATION

Sandra Coy machte deutlich: Gerade weil Nachhaltigkeit für die Kunden abstrakt und schwer verständlich sei, will Tchibo die Kommunikation zu nachhaltigen Produkten mit einer zentralen und verständlichen Botschaft angehen. Ebenso müsse die Marke Tchibo als Verständnis- und Vertrauensbrücke dienen, damit Kunden das Thema Nachhaltigkeit ohne Verunsicherung erleben. Christian Schmidt ergänzte, dass auch regionale Unterschiede bei den Zielgruppen oder die neuen Wertvorstellungen der heutigen Jugendlichen bereits Beachtung finden sollten, um zukünftig das volle Marktpotenzial von nachhaltigen Produkten zu erschließen.

WIE GEHT DAS?

Das voll besetzte Plenum nutzte die Gelegenheit und stellte direkt von Beginn an zahlreiche Fragen an beide Experten. So wollte man wissen, wie Tchibo sein Ziel der 100 Prozent nachhaltigen Geschäftstätigkeit erreichen wolle. Warum es dieses Ziel für ein Unternehmen wie Tchibo überhaupt gäbe? Wie man Kinderarbeit verhindern könne? Wie sich Tchibo die Kommunikation mit den Kunden im Detail vorstelle? Und ob der Aspekt der Regionalität am Ende die Bio-Produkte verdrängen wird?

Unsere beiden Gäste stellten sich den vielen Fragen des Publikums mit großer Ruhe und Gelassenheit. Es wurde klar, sowohl bei einem Unternehmen wie Tchibo wie auch in der Gesellschaft ist schon längst eine starke Entwicklung in Gang gesetzt. Jetzt gilt es nur noch herauszufinden, wie man diese Entwicklung unterstützen und beschleunigen kann.

Stefanie Fulda