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31.05.2019

Im Dialog

CORPORATE CULTURE – Unternehmen zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Am 23. Mai 2019 sprachen Rudi Bauer, Geschäftsführer von Stepstone in Wien und Tim Ackermann, Global Head of Talent Acquisition & Experience bei Lidl in Neckarsulm im voll ausgebuchten Wohnzimmergespräch über Unternehmenskultur. 

 

ZWISCHEN ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT

Direkt zu Beginn gab's ein paar Zahlen: bedingt durch den demographischen Wandel werden wir es schon in Kürze mit einem Arbeitnehmermarkt zu tun haben. Spätestens dann können sich Stellenbewerber ihre Stelle aussuchen, während Unternehmen um die besten Kandidaten werben müssen. Zudem sagen von den Mitarbeitern, die bereits in einem Unternehmen sind, laut einer aktuellen Studie von Stepstone, dass 97 Prozent Wert auf eine gute Unternehmenskultur legen, aber nur 36 Prozent glauben, dass die Unternehmenskultur ihres Unternehmens tatsächlich zu ihnen passt. Hier klafft also in zweifacher Hinsicht eine Lücke, die es zu schließen gilt.

 

FROM REASON HOW TO REASON WHY

Um die richtigen Bewerber zu finden und zu halten, plädierte Rudi Bauer von Stepstone dafür, dass Unternehmen sich vor allem Gedanken darüber machen müssen, für welche Vision ihr Unternehmen steht. „From reason how to reason why“ müsste das Mantra sein. Als Maßnahmen einer gelungenen Unternehmenskultur könnten dabei durchaus unterschiedliche Dinge resultieren: seien es die persönlich unterschriebenen Grußkarten und individuellen Briefe der Firmenleitung zu Weihnachten, die deutlich machen, dass man sich Zeit nimmt für seine Mitarbeiter, oder agile Teamstrukturen, flexibles Arbeiten und flache Hierarchien, die Mitarbeitern den Freiraum lassen für selbstbestimmtes Arbeiten.

 

EINE FEHLERKULTUR, DIE FEHLER HONORIERT

Wichtiger Ankerpunkt für eine verbesserte Unternehmenskultur in Betrieben, das wurde an diesem Abend schnell deutlich, ist ein veränderter Umgang mit Fehlern. So braucht es nach Tim Ackermann, eine Kultur, die in angemessener Weise mit Fehlern umgeht. Das was in amerikanischen Start Ups längst üblich ist, nämlich der professionelle, aber dennoch lockere Umgang mit Fehlern, könnte in Deutschland noch ausgebaut werden. Er selbst habe in seiner Zeit bei Lidl einen kleinen Preis ausgelobt für den nächsten Fehler. Während dieser Preis anfangs noch skeptisch vom Team betrachtet worden sei, habe sich die kleine Statue später als heißbegehrte Trophäe unter den Mitarbeitern entwickelt.

 

GRENZEN DER VERÄNDERUNG

In einem Punkt waren sich Bauer und Ackermann sofort einig. Eine lockere Fehlerkultur, demokratische Entscheidungsprozesse oder auch agile Teams müssen zum Unternehmenszweck passen. Schließlich würde sich keiner wünschen, dass im Falle eines Herzinfaktes das Ärzteteam erst mal demokratisch nach der innovativsten Lösung sucht. Da sei schnelles und effizientes Handeln gefragt. Andererseits dürfe man sich aber auch nicht auf der Floskel ausruhen, dass es an den Mitarbeitern liege, wenn man nicht in der Lage sei, die Unternehmenskultur zu verändern. Dazu Rudi Bauer ganz pragmatisch: „Jeder Chef hat die Mitarbeiter, die er verdient.“ Mit anderen Worten, man dürfe nicht die Schuld allein bei den anderen suchen.

 

ES BRAUCHT ZEIT

Wie immer meldeten sich auch unsere Teilnehmer im Publikum mit ihren Erfahrungen zu Wort. So beschäftigte diese die Frage, woran man in einem Unternehmen merke, dass der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung der Unternehmenskultur gekommen sei. Und wie die interne Kommunikation diesen Prozess des Wandels optimal begleiten kann. Eine Teilnehmerin schließlich brachte ihre eigenen Erfahrungen auf den Punkt als sie berichtete, dass es einfach sehr viel Zeit brauche, bis solche Veränderungen wirklich eingeleitet seien.

 

EIN ECHTES HIGHLIGHT

Wie immer lebte der Abend vom persönlichen Erfahrungsaustausch mit unseren beiden Gästen, die bereitwillig ihre Erfahrungen und Einschätzungen mit dem Publikum teilten. Beim anschließenden Buffet und Getränken blieben beide noch eine ganze Weile, so dass jeder der wollte, mit ihnen ins Gespräch kommen konnte. Von unseren Teilnehmern erhielten wir noch am selben Abend viele positive Rückmeldungen, die von „super gemacht“ bis hin zu „Ein echtes Highlight!“ rangierten. Dieses Kompliment möchten wir an unsere Referenten weitergeben, die mit ihrer lockeren Einstellung und fachlich kompetenten Hinweisen den Abend erst zum Erfolg machten.

Stefanie Fulda

 

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Unternehmen im Umbruch, ©Nutthaseth Van, shutterstock.com

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