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Im Dialog

Aufbruch in die Agilität – Teil 3: Ansichten eines Anfängers

Ich bin Mitglied eines unserer drei agilen Teams. Ob ich Agilität zu 100 % verinnerlicht habe? Das kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen. Was ich sagen kann: Ich bin auf dem besten Weg dorthin. Deshalb traue ich mich, meine Gedanken dazu zu teilen. Frei nach dem agilen Prinzip, also eher als Zwischenstand und Status quo – nicht als allgemein abgeschlossene Wahrheit. Heißt: Mein Bericht ist subjektiv, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und legt den Fokus auf die aus meiner Sicht prägnantesten Änderungen.

Erst einmal: Der Weg in die Agilität ist nicht leicht. Nicht immer klar. Oft frustrierend. Das hat uns auch niemand anders versprochen. Manchmal habe ich aber das Gefühl, nicht agiler zu werden – sondern schwerfälliger. WIP-Limits, Sprints, Dailies und Retros scheinen von Zeit zu Zeit eher auszubremsen, als zu neuen Höhen anzutreiben. Aber das ist nur ein oberflächlicher Eindruck. Schaut man genauer hin, sind die Fortschritte unübersehbar.

Mehr Kundenfokus, weniger Abteilung

Zuallererst die scheinbar spannendste und auffälligste Änderung in unserem Agenturalltag – und auch die mit dem meisten Potenzial für Missstimmung: die Sache mit den Teams. Denn agiles Arbeiten hieß bei uns zunächst: raus aus den Fachabteilungen und rein in interdisziplinäre Kundenteams. Ein Schritt, der absolut notwendig war. Und, bisher war es für mich aus Erfahrungen in anderen Agenturen ein Sakrileg: Art-Direktion und Text MÜSSEN zusammensitzen.

Aber: Wir gehen jetzt mit der Agilität sogar noch einen Schritt weiter. Wir setzen noch die Reinzeichnung, Produktioner, Social-Media-Fachleute und die Kundenberatung dazu. Schnell merke ich: Der gegenseitige Support wird besser, das Verständnis für andere Bereiche größer, die Dynamik stärker und ja, auch der Teamzusammenhalt intensiver. Doch die Vorteile sind kein teaminterner Selbstzweck – auch das „Kunden-Know-how“ wird weiterentwickelt. Das führt dazu, dass man mehr in die jeweilige Branche eintaucht und dem Kunden tiefergehende und effizientere Lösungen anbieten kann. Also: Teams statt Abteilungen? Check! – Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Maximale Effizienz oder maximale Verwirrung?

Weiter geht es mit der nächsten tiefgreifenden Änderung: der Organisation. Das heißt für agilen Arbeitsalltag: Dailies und Kanbanboard. Bei diesen Themen bin ich durchaus zwiegespalten. Denn zunächst einmal sehe ich auf einmal diese riesige Wand vor mir. Diese füllt sich zu Beginn und von Tag zu Tag mehr mit Post-Its. Das soll uns agiler und auch flexibler machen? Das wirkt doch sehr komplex – und soll doch eigentlich für das Gegenteil sorgen. Aber auch hier gilt, hat man das System erst einmal verstanden, entdeckt man von Daily zu Daily mehr Vorteile, die sich aus dieser Organisation ergeben.

Ein Learning zum Beispiel: erst etwas fertigmachen ist besser, als ständig Neues zu beginnen. Klingt logisch, ist aber in kreativen Prozessen nicht selbstverständlich. Und: Es wird jetzt schneller sichtbar, wie man Kollegen helfen kann und warum Projekte nicht effizient sind. Umgekehrt wird durch die Kostentransparenz aber auch klar, welche Projekte wirtschaftlich gut laufen. Sprich: Rohrkrepierer werden schneller vorangetrieben und zum Ende gebracht. Wichtige Projekte können hingegen einfach priorisiert werden.

Fazit: Dailies mit Kanbanboard statt großem Wochenmeeting und fixem Stundenplan? Pro Kanbanboard! Denn ist man erstmal drin, wird das Arbeiten wirklich transparenter und die Arbeitsaufteilung flexibler.

Selbstverantwortliche Teams statt flacher Hierarchien

Wer so wie ich schon einige Jobausschreibungen gelesen hat, stößt immer wieder auf Platitüden. Neben „Wir sind eine 360°-Agentur und liefern alles aus einer Hand“ sind auch die „flachen Hierarchien“ ein Evergreen auf Agenturseiten. Das verspricht wirklich jeder, aber im Alltag sieht es dann doch oft anders aus. Was ist also dran an dem agilen Versprechen, mehr Transparenz in die autarken und selbstbestimmten Teams zu bringen? Kurz: Es ist doch beeindruckend, wie sehr es beflügelt, wenn man sich selbst Herzensthemen sucht und versucht, als Team in diesen Branchen zu akquirieren. Fehler sind erlaubt, nur lernen muss man aus ihnen. Das bringt Selbstvertrauen für jedes einzelne Teammitglied. Und auch wenn ich mit einer weiteren Platitüde um die Ecke komme: Man brennt viel mehr für die Aufgaben, wenn man mehr Verantwortung für den Kunden trägt – und vor allem, wenn man sich mit dem „Produkt“ selbst identifiziert und es auch privat selbst nutzt.

Ich kann zwar nicht einschätzen, wie es für unseren Chef ist, die Zügel lockerer zu lassen, aber für den einzelnen Mitarbeiter ist das Fazit ziemlich klar: Mehr Verantwortung und Selbstbestimmung in den Teams sorgt definitiv auch für mehr Potenzial-Entfaltung, Identifikation und damit für einen cooleren Arbeitsalltag.

Aussicht:
Es gibt sicher noch viele Themen wie Sprints, Retros und, und, und, wo es sich lohnen würde, diese mal genauer zu beleuchten. Aber dazu gerne beim nächsten Mal mehr – im nächsten Inkrement ;-).

intention Werbeagentur Bonn

Johannes Hessel

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Senior Copywriter